Schimmel im Keller vermeiden: Warum die Messung der Luftfeuchtigkeit
Ein Hygrometer im Keller zeigt 55 Prozent relative Luftfeuchtigkeit an, und trotzdem bildet sich nach Wochen Schimmel an der Außenwand. Dieses Phänomen ist kein Messfehler, sondern ein grundlegendes Missverständnis darüber, was relative Luftfeuchtigkeit eigentlich bedeutet. Die relative Luftfeuchtigkeit gibt an, wie viel Wasserdampf die Luft bei der aktuell herrschenden Temperatur maximal aufnehmen kann, ausgedrückt in Prozent. Warme Luft kann deutlich mehr Feuchtigkeit halten als kalte. Ein Wert von 60 Prozent bei 20 Grad Celsius entspricht einer absoluten Wassermenge, die bei 12 Grad Celsius an einer kalten Wandfläche bereits zur Sättigung führt. Genau dort, an der kältesten Stelle der Wand, entsteht Kondensat, und genau dort beginnt Schimmel zu wachsen.
Die entscheidende Größe ist also nicht die relative Luftfeuchtigkeit im Raum, sondern die Oberflächentemperatur der Bauteile. Wer regelmäßig ein Hygrometer im Kellerraum lesen möchte, sollte verstehen, dass das Gerät nur die Luft misst, nicht die Wand. Ein Messwert von 65 Prozent im Raumzentrum kann an einer ungedämmten Ecke mit 11 Grad Oberflächentemperatur bereits zu Tauwasser führen. Besonders betroffen sind Wände mit Wärmebrücken, Kelleraußenwände aus Beton ohne Dämmung sowie Bereiche hinter Regalen, wo die Luftzirkulation fehlt und die Feuchtigkeit nicht abtransportiert wird.
Um Schimmel zuverlässig zu vermeiden, reicht ein einzelnes Hygrometer nicht aus. Sinnvoll ist die Kombination aus mehreren Messpunkten: einem Hygrometer in der Raummitte, einem Infrarot-Thermometer zur Bestimmung der Oberflächentemperatur an kritischen Wandstellen und einer einfachen Taupunktberechnung. Liegt die Oberflächentemperatur unter dem Taupunkt der Raumluft, schlägt Feuchtigkeit nieder. Wer diesen Zusammenhang einmal verstanden hat, kann gezielt gegensteuern: durch richtiges Lüften, durch Dämmen der betroffenen Wandabschnitte oder durch den Einsatz eines Luftentfeuchters, der die absolute Feuchtigkeit senkt, nicht nur die relative.
Ein weiterer häufiger Fehler ist die Platzierung des Messgeräts direkt neben dem Entfeuchter oder in der Nähe eines offenen Fensters. Dort zeigt das Hygrometer Werte an, die nichts über das Raumklima aussagen. Ebenso problematisch sind billige Geräte ohne Kalibrierung, die dauerhaft um fünf bis zehn Prozent abweichen. Wer Schimmel langfristig vermeiden will, sollte die Messung als Teil eines Systems begreifen, nicht als alleinige Entscheidungsgrundlage.